Hard & Soft Facts zur Prozessverbesserung mit Six Sigma

Measure

Von Dr. Reiner Hutwelker, www.activepartner.de

In der Measure-Phase werden Einflussgrößen und Ergebnisse mathematisch formalisiert. Ziel ist es, die bedeutsamen Einflussgrößen xi zu finden, mit denen die kritischen Ergebnisse Yi verändert werden können. Dieser zentrale Gedanke und Leitfaden für das weitere Projekt lässt sich formalisieren als Yi= f(xi).

Dazu werden zunächst aus den vielen möglichen xi die vermutlich vitalen Einflussgrößen gefiltert. Diese vitalen xi und die vom Kunden definierten Yi werden konkretisiert, es wird die notwendige Stichprobengröße ermittelt und die Repräsentativität der Stichprobe sichergestellt, ein Datenerhebungsplan aufgestellt und eventuell eine Meßsystemanalyse durchgeführt. Schließlich wird gemessen.

Prozess-Mapping

Wenn Unklarheit über den tatsächlichen Ablauf besteht wird zunächst ein Prozess-Mapping erstellt. Den Rahmen dafür bietet der der SIPOC. In dieser frühen Phase wird aufgezeigt, detaillierter als im SIPOC, wer, was, wann, wo erledigt. Die „Kunst“ des Prozess-Mapping besteht darin, das richtige Auflösungsniveau für die Betrachtung zu finden: ist das Mapping zu global, dann bleiben „die Bäume im Wald verborgen“, ist das Mapping zu detailliert, „sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht“ mehr. Zweck des Prozess-Mappings ist, den Prozess transparent zu machen.

Abbildung 7: Prozess-Mapping der W.Tell AG

Beispiel: In dem Prozess-Mapping wurden die aktuellen Kern-Prozess-Schritte chronologisch angeordnet und einer verantwortlichen Abteilung zugeordnet.

Priorisierungs-Matrix

Die Priorisierungs-Matrix unterstützt die Prozessexperten des Teams dabei, die vermutlich vitalen aus den möglichen Einflussgrößen herauszufiltern. Dazu werden zunächst die Inputgrößen und Prozessgrößen des SIPOCs durch Steuer- und eventuell vorhandene Störgrößen ergänzt. Diese potentiellen Einflussgrößen xi werden den vom Kunden gewichteten Yi aus dem VOC gegenüber gestellt. Dann wird jede Einflussgröße danach beurteilt, wie stark sie jeweils die kritischen Ergebnisgrößen beeinflusst. Aus der Produktsumme der gewichteten Einflussstärken ergibt sich der Gesamteinfluss jedes x auf die Yi. Für die Messung werden die xi mit dem größten Einfluss auf die Yi ausgewählt.

Abbildung 8: Priorisierungs-Matrix zur Filterung der vitalen Einflussgrößen Xi

Prinzipiell findet in der Priorisierungs-Matrix eine erste rational begründete Hypothesenbildung statt. Durch diese Filterung sollen die Kosten der nachfolgenden Messung reduziert werden. Sie hat den Nachteil, dass die Experten möglicherweise wichtige Einflussgrößen übersehen und von der weiteren Untersuchung ausschließen.

Beispiel: Nachdem die Experten den Einfluss aller xi auf die Yi bewertet haben, resultiert eine Liste von sechs Einflussfaktoren, die in der Messung berücksichtigt werden sollen: Pfeiltyp, Bogentyp, Distanz, Spannkraft, Visiereinstellung in horizontaler x- und vertikaler y-Richtung. Weiterhin müssen die x/y Koordinaten der Löcher (Yi) gemessen werden.

Stichprobendefinition

In der Stichprobendefinition wird die Stichprobengröße festegelegt, die für den empirischen Nachweis der erwarteten Einflussstärke der ausgewählten xi notwendig ist. Je größer der erwartete Einfluss der xi auf die Yi und je geringer die erwartete Variabilität der xi ist, desto kleiner und damit kostengünstiger kann die notwendige Stichprobe sein. Weiterhin sorgt ein Plan zur Stichprobenziehung, abhängig von der Grundgesamtheit, die der Stichprobe zugrunde liegt, für ausreichende Repräsentativität der Daten.

Datenerhebungsplan

Im Datenerhebungsplan wird konkretisiert, was, wo, wann, wie häufig, mit welchem Instrument, von wem gemessen wird und welche Analyseverfahren nach der Datenerhebung angewandt werden sollen.

Beispiel: Der Plan weist nun aus, dass Herr A über einen Zeitraum von 14 Tagen, jede Stunde bei 10 Schüssen die Rahmenbedingungen erhebt (verwendeter Bogen, verwendete Pfeile, Distanz zum Ziel, gewählte Spannkraft, anvisierten x-/y-Koordinaten) und die jeweilige Distanz des geschossenen Loches zum Zentrum misst (Yi).

Messsystemanalyse

Falls Zweifel bestehen, ob das vorgesehene Messsystem geeignet, d.h. präzise, objektiv und zeitlich stabil ist, sollte eine Messsystem-Analyse durchgeführt werden. Sie zeigt eventuelle Schwächen auf und gibt Hinweise zur Verbesserung der Messung.

Beispiel: Zur Messung der Abweichung der Löcher vom Zentrum ist ein altes verknittertes Bandmaß vorgesehen, dessen Skala z.T. verblichen ist. Die Messsystemanalyse zeigt, dass Messungen weder von einer Person wiederholbar, noch von verschiedenen Personen replizierbar sind. Es wird die Anschaffung eines neuen Bandmaßes beschlossen, das nun alle Kriterien der Messung erfüllt.

Datenerhebung

Die Datenerhebung erfolgt genau nach Datenerhebungsplan. Sie kann in der Messung aktueller Daten bestehen, oder sich aus der Sammlung vorhandener Daten in Datenbanken speisen.

Beispiel: Herr A erhebt nun die Daten gemäß Datenerhebungsplan